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	<title>Der Amaot</title>
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	<description>Mit der Laubsäge philosophiert</description>
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		<title>Der Amaot</title>
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		<title>Onkel Kurt &#8211; Die große Tragik des Brummtadara</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Nov 2011 20:37:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>amaot</dc:creator>
				<category><![CDATA[Familienbande]]></category>

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		<description><![CDATA[Onkel Kurt steht immer sehr früh auf. Um 5.30 Uhr geht der Wecker, da gibt es keine Ausnahmen. Nie. Ohne zu Zögern springt er dann aus dem Bett und marschiert in Filzpantoffeln gemessenen Schrittes ins Bad. Waschen mit kaltem Wasser. &#8230; <a href="http://amaot.wordpress.com/2011/11/16/onkel-kurt-die-grose-tragik-des-brummtadara/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=amaot.wordpress.com&amp;blog=8180600&amp;post=147&amp;subd=amaot&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Onkel Kurt steht immer sehr früh auf. Um 5.30 Uhr geht der Wecker, da gibt es keine Ausnahmen. Nie. Ohne zu Zögern springt er dann aus dem Bett und marschiert in Filzpantoffeln gemessenen Schrittes ins Bad. Waschen mit kaltem Wasser. Danach kämmte er sich die Gedanken und bindet ihnen fein säuberlich eine Krawatte um. Damit sie nicht spazieren gehen.  Wenn Gedanken spazieren gehen, finden sie Wege, die er nicht kennt und stoßen wohlmöglich auf Lösungen, die er nicht mag. Deshalb, so findet er, brauchen Gedanken eine Krawatte und müssen ordentlich gekämmt sein. Sonst kann man sie nicht in die Weltgeschichte lassen. Onkel Kurt wählt CDU, selbstredend, und ist im Männergesangsverein, selbstsingend.</p>
<p>Er mag seinen Vorgarten. Sein Vorgarten ist wie seine Gedanken. Immer ordentlich gekämmt mit akkuratem Scheitel &#8211; die Seiten kurz. In seinem Vorgarten fühlt er sich wohl. „Da wo es ordentlich ist, kann nichts Unvorhergesehenes passieren und schon mal gar keine Frau“, sagt er immer. Frauen mag Kurt nicht. Das war früher anders. Früher war Kurt der KTM-Kutti. Da sauste er mit seiner KTM-3-Gang durch die Stadt. Immer im Sakko mit Wildlederflicken am Ellenbogen. Immer mit einer Kippe im Maul. „Das ist ´ne KTM mit Doppelvergaser“, war ebenso eine Standardantwort, wie „Lecker Bierchen trinken“, wenn man ihn fragte, wo er hin wolle. Kutti ging immer lecker Bierchen trinken. Meist mit Siggi und Horst zum Kippe Mäck. Eine schmierige Eckkneipe an einer Ausfallstraße. Die Drei waren das Rat-Pack vom Kippe.</p>
<p>Die Abende endeten meist immer gleich. War Kutti voll, stieg er auf einen Stuhl und sang Brummtadara. Vorher nicht. Da konnten die Leute betteln, so viel sie wollten. Erst wenn nur noch Singen ging, stand Kutti auf dem Stuhl. Kutti hatte einen samtweichen Tenor. Der Männergesangsverein war die einzige Verbindung, die Kurt von Kutti geblieben ist. Kutti schaffte nie mehr als eine Strophe „Brummtadara“, wenn er auf dem Stuhl stand: „Brummtadara, Brummtadara, Müschen mötten stinken, die hat äwwer ouch eїn, da kann Perd drout trinken“. Dann fiel er vom Stuhl und wurde von Siggi und Horst rausgetragen.</p>
<p>Waren lecker Mädchen in der Nähe, verzichtete Kutti schon mal auf seine lecker Bierchen. Für lecker Mädchen hatte Kutti nicht nur einen samtweichen Tenor, sondern auch einen ebenso samtweichen Charme wie samtweiche Augen. Tante Irmgard, eine lichte, großgewachsene Blondine, war sogar ein richtig lecker Mädchen in Kuttis Lecker-Mädchen-Bewertungs-Skala. Drüber gab es nix. „Schönheit liegt im Auge des Betrachters und du in meinem“, Kuttis Standardanmache zog bei Tante Irmgard nicht nur nicht, sie zog überhaupt gar nicht. Sie hatte eine Lache groß und saftig wie ein Kottelet. Und sie lachte den Kutti lang und schmutzig aus. Kutti wollte sich aber nicht geschlagen geben und zog alle Register. Tante Irmgard lachte immer lauter und saftiger. Am Ende war Kutti nur noch ein verzweifeltes Häuflein Elend. Da nahm Tante Irmgard den Kutti in den Arm, bestellte ihm einen Wodka Feige, küsste ihn so leidenschaftlich, dass ihm Hören und Sehen verging und sagte: „ So Kurtchen und jetzt sing mir Brummtadra“. Und Kutti sang zum ersten Mal Brummtadara, ohne vom Stuhl zu fallen – alle Strophen. In den nächsten Wochen und Monaten fuhren sie gemeinsam KTM-3-Gang. Kutti vorne mit Wildlederflicken und Kippe und Tante Irmgard hinten mit saftiger Lache und wehendem blondem Haar. Die KTM fuhr sie direkt ins Standesamt.</p>
<p>Es war ihr großes Herz mit dem Tante Irmgard dem Kutti die Gedanken kämmte. Und Kutti gefiel es. Denn Tante Irmgard fuhr nur ganz sacht mit dem Herzen durch seine Gedanken. Schaffte ein wenig Ordnung in den Krausen und ließ hier und da die lustigen, vorwitzigen Gedankenlöckchen stehen. „Jung, ich bin glücklich wie ein Geburtstagsständchen“, sagte Kutti, aus dem längst Kurtchen geworden war. Immer häufiger blieb das Moped in der Garage. Statt lecker Bierchen trinken, malte Kurtchen mit Tante Irmgard ein Leben. Gemeinsam kuschelten sie sich tief in die kleine Dachkammer, die sie bewohnten und malten einen kühlen Bach an einem Sommertag. Von dem Bach führte ein staubiger Feldweg zu einem kleinen Fachwerkhaus in den Wupperbergen. Ihrem Fachwerkhäuschen in den Wupperbergen.</p>
<p>Das gemeinsame Haus war gerade gekauft, als Tante Irmgard starb. Krebs. Ihr blieben nur ein paar Wochen von der Diagnose bis zum Ende. Das hat Onkel Kurt aus der Bahn geworfen. Und in seinem Kummer hat er sich die Gedanken streng nach hinten frisiert. All die Löckchen, die Tante Irmgard so liebevoll gepflegt hat, hat er abrasiert. Zu allem Überfluss bekommen die Gedanken jetzt auch noch eine Krawatte umgebunden. Seit dem wählt er CDU und redet mit kaum jemandem. Die Leute glauben, er spricht nur noch mit den Blumen in seinem Vorgarten. Als Kind habe ich ihn belauscht. Ich weiß, dass er mit jemandem redet und manchmal mit traurigem, samtweichem Tenor „Brummtadara“ singt.</p>
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		<title>Tante Trudis Damenbart</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Oct 2011 14:43:47 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://amaot.files.wordpress.com/2011/10/tumblr_lt5gn2j3bu1qz9qoo.jpg" rel="http://suicideblonde.tumblr.com/post/11524209508"><img class="alignleft size-medium wp-image-139" title="tumblr_lt5gn2j3BU1qz9qoo" src="http://amaot.files.wordpress.com/2011/10/tumblr_lt5gn2j3bu1qz9qoo.jpg?w=300&#038;h=240" alt="via http://suicideblonde.tumblr.com/post/11524209508" width="300" height="240" /></a>Tante Trudi hatte einen Damenbart. Ich meine, einen richtigen Damenbart, nicht diesen weichen Flaum, der im seitlichen Gegenlicht ein wenig kokett leuchtet. Nein, nein, sie hatte einen  Damenbart, der diese Bezeichnung auch wirklich verdiente. Einmal wohnten sogar drei obdachlose Chinesen in ihrem Damenbart. Abends kamen sie heraus und spielten auf einem Kontrabass die Capri Fischer und Tante Trudi sang dazu. Sie mochte dieses Lied. Tante Trudi ging gerne Fischen. Wir flochten ihr dazu Köder in die weichen vorderen Barthaare. Mein Bruder ist dabei einmal fast verloren gegangen. Er war auf einem Barthaar zu weit hinaus gelaufen und hatte den Rückweg nicht mehr gefunden. Glücklicherweise fanden wir ihn abends vor Einbruch der Dunkelheit. Wer weiß, was sonst noch passiert wäre. In der Nacht traute sich niemand in Tante Trudis Damenbart. Selbst Onkel Egon nicht, der stark war wie ein Ochse und die Traktoren immer aus dem Acker ziehen musste, wenn sie sich mal wieder festgefahren hatten. Selbst der traute sich dann nicht in den Bart, denn in der Nacht drangen seltsame Stimmen aus dem Damenbart. Ein einziges Heulen, Pfeifen und Jaulen, das nur von hohen Schreien unterbrochen wurde. Wenn wir sie fragten, was denn da in ihrem Bart lebte, dann lächelte Tante Trudi immer ihr sehr breites Lächeln, bei dem man Angst haben  musste, dass aus ihrem verwitterten Gesicht große Gesteinsbrocken herabfielen. Eine Antwort bekamen wir aber nie darauf. Es gingen viele Theorien und Sagen in der Familie um, was da in Tante Trudis Damenbart lebte. Die Einen meinten, dass sei nur der Abendwind, der sich wie in einem alten zugigen Haus in den gewaltigen unteren Barthaaren verfing. Die anderen hingegen glaubten, dass Tante Trudi nichts anderes sei als die Arche, aus der nur ein Teil der Tiere wieder hervorgekommen sei. Der andere Teil lebte in Tante Trudis Damenbart weiter und die Evolution hätte dort eine ganz eigene Welt geschaffen. Dazu passte, dass Tante Trudi scheinbar unendlich alt war. Niemand konnte sich an den Tag erinnern, an dem sie geboren wurde. Alle Familienmitglieder wussten nur, dass sie schon immer dagewesen war. Sogar meine Großmutter, die annährend 100 Jahre alt wurde, erzählte wie ihre Mutter die Wiege in Tante Trudis Barthaar hing, wenn sie zur Arbeit musste. Es gibt sogar einige Berichte von der großen Überschwemmung 1874, während der Tante Trudi ein ganzes Dorf gerettet haben soll. Sie hat ihren Bart wie einen Damm um das Dorf gelegt und kein Tropfen Wasser drang hindurch. Am Ende soll sie sogar den ganzen Fluss aufgewischt und zurück in sein Bett gewrungen haben.  Niemand wusste wann sie geboren wurde, aber alle können wir uns an den Tag erinnern, an dem Tante Trudi verschwand. Ohne es abgesprochen zu haben, trafen wir uns alle auf dem großen Feld. Und da stand sie und winkte uns mit Tränen in den großen blauen Augen zu. Dann ging sie langsam in ihren Damenbart, der daraufhin in sich selber zu verschwinden schien, bis nichts mehr übrig war.</p>
<p>Foto via <a href="http://suicideblonde.tumblr.com/post/11524209508">Suicideblonde </a></p>
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		<title>Tante Lieschens Schwermut</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Sep 2011 15:55:04 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Tante Lieschen war eine kleine, zierliche Person mit einem großen, massigen Schwermut. Hatte der einmal von ihr Besitz ergriffen, konnte sie mit ihrem Gemüt eine  russische Hochzeitgesellschaft unter den Tisch trinken. Meist mündete ihr Schwermut in einem Seufzer, groß genug, &#8230; <a href="http://amaot.wordpress.com/2011/09/06/tante-lieschens-schwermut/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=amaot.wordpress.com&amp;blog=8180600&amp;post=132&amp;subd=amaot&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://amaot.files.wordpress.com/2011/09/tante-lieschen.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-133" title="Tante Lieschen" src="http://amaot.files.wordpress.com/2011/09/tante-lieschen.jpg?w=180&#038;h=242" alt="" width="180" height="242" /></a>Tante Lieschen war eine kleine, zierliche Person mit einem großen, massigen Schwermut. Hatte der einmal von ihr Besitz ergriffen, konnte sie mit ihrem Gemüt eine  russische Hochzeitgesellschaft unter den Tisch trinken. Meist mündete ihr Schwermut in einem Seufzer, groß genug, um die Einsamkeit der Taiga zu füllen. Danach briet sie wie jeden Tag wieder Schnitzel für ihre sechs Kinder….</p>
<p><a href="http://rrrick.tumblr.com/post/9732487293/lunettes-noires">Foto via &#8222;Does this look infected?&#8220;</a></p>
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		<title>Freiheit für den Purzelbaum</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Sep 2011 20:53:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>amaot</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltägliche Ansichtskarten]]></category>

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		<description><![CDATA[Man muss es sich einmal vorstellen, es ist strengsten verboten, einen Purzelbaum während eines geschäftlichen Meetings zu benutzen. Das ist sehr schade. Es würde doch sehr zur Lockerung eines Meetings beitragen, wenn die Teilnehmer zwischendurch einmal aufstehen und ein paar &#8230; <a href="http://amaot.wordpress.com/2011/09/03/freiheit-fur-den-purzelbaum/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=amaot.wordpress.com&amp;blog=8180600&amp;post=127&amp;subd=amaot&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man muss es sich einmal vorstellen, es ist strengsten verboten, einen Purzelbaum während eines geschäftlichen Meetings zu benutzen. Das ist sehr schade. Es würde doch sehr zur Lockerung eines Meetings beitragen, wenn die Teilnehmer zwischendurch einmal aufstehen und ein paar Purzelbäume schlagen würden. Überhaupt bin ich für mehr Purzelbaum im Leben. Denn, was kaum bekannt ist: Jeder Mensch hat seinen eigenen Purzelbaum, der bis zu seinem Tod bei ihm bleibt. Doch leider gibt es immer weniger Menschen, die ihren Purzelbaum auch tatsächlich benutzen. Dabei kann man einen Purzelbaum so oft benutzen wie man will, er geht weder kaputt noch nutz er sich ab. Im Gegenteil: Ein Purzelbaum verlangt geradezu danach geschlagen zu werden. Und je öfter man ihn schlägt, desto schöner wird seine Form. Ein gut gepflegter Purzelbaum ist an Eleganz kaum zu überbieten. Umso erstaunlicher, dass der Purzelbaum solch ein gesellschaftliches Schattendasein führen muss. In der Kindheit noch ein steter Quell der Freude, überlebt kaum ein Purzelbaum die Pubertät seines Besitzers. Erst in höchster Not, wenn der Mensch aus dem Gleichgewicht direkt ins Stolpern gerät, erinnert sich so mancher wieder seines Purzelbaums. Doch dann läuft er nicht mehr rund und führt nicht selten zu Verspannungen. Wer hingegen seinen Purzelbaum gut gepflegt hat, kommt auch in solchen Momenten schnell mit einem Lächeln auf dem Gesicht wieder auf die Füße und kann sich der Bewunderung seiner Mitmenschen sicher sein. Dabei kann einem sein Purzelbaum in vielen Lebenslagen helfen. Erst kürzlich befand ich mich plötzlich in einer Situation. Der genaue Gegenstand des Streites tut nichts zur Sache – es ging um Andre Rieu, Schienenersatzverkehr, einen Nacktmull und es war laut. Als man begann mir zu drohen, schlug ich nicht meinen Gegenüber, sondern meinen Purzelbaum und nutze das allgemeine Erstaunen, um mich aus der Situation zu entfernen.  In diesem Sinne möchte ich allen freien Wesen zurufen: Benutzt Euren Purzelbaum! Benutzt ihn wo Ihr nur könnt, in den Straßen, auf Bahnhöfen und in Restaurants. Wir werden die ersten sein, die den Purzelbaum wieder zu einem Statussymbol machen. Lasst den Purzelbaum zu einer großen, starken Bewegung werden. Für mehr Purzelbaum im Leben!</p>
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		<title>Als mal das Klassenbuch brannte</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Aug 2011 11:48:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>amaot</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltägliche Ansichtskarten]]></category>

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		<description><![CDATA[Damals in der 10b, da hat mal das Klassenbuch gebrannt. Und dann ist auch noch einer von der 10a reingekommen und hat den Lehrergefragt, ob er einen Ständer habe. Eigentlich wollte er ja einen Kartenständer. Damals hatte man nämlich noch &#8230; <a href="http://amaot.wordpress.com/2011/08/25/als-mal-das-klassenbuch-brannte/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=amaot.wordpress.com&amp;blog=8180600&amp;post=111&amp;subd=amaot&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://amaot.files.wordpress.com/2011/08/klassenbuch2.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-121" title="Klassenbuch" src="http://amaot.files.wordpress.com/2011/08/klassenbuch2.jpg?w=261&#038;h=252" alt="" width="261" height="252" /></a>Damals in der 10b, da hat mal das Klassenbuch gebrannt. Und dann ist auch noch einer von der 10a reingekommen und hat den Lehrergefragt, ob er einen Ständer habe. Eigentlich wollte er ja einen Kartenständer. Damals hatte man nämlich noch einen Ständer in der Klasse  &#8211; also auch einen Kartenständer. Der Lehrer hat das aber falsch verstanden und wir auch. Da haben alle gelacht, außer dem Lehrer, der hat getobt. Als wir dann fertig waren mit Lachen, hat der Lehrer immer noch getobt. Weniger, weil er einen Ständer hatte, den hat er dem Kerl aus der 10a schon mitgegeben, sondern mehr weil das Klassenbuch gebrannt hat und er an unsere These einer spontanen Selbstentzündung nicht glauben wollte. Aber wir haben nicht gesagt, dass es der Treppenheizer war. Der hatte ja schon genug Ärger, weil er im Vorfeld der Kommunalwahlen, Plakate mit dem Gesicht des Lehrers aufgehängt hatte. Der Lehrer hatte danach nämlich jede Menge Anrufe bekommen, wieso er auf einmal für die Grünen kandidiere, obwohl er doch als stramm Konservativer für die CDU im Stadtparlament saß. Natürlich war es herausgekommen, dass es der Treppenheizer war. Außerdem hatte der Treppenheizer gerade eine dicke Platzwunde am Kopf. Irgendjemand &#8211; könnte ich gewesen sein, ich kann mich da nicht so gut erinnern &#8211; hatte ihm erzählt, dass es dieselbe Wirkung wie ein Joint habe, wenn man die Luft so lange es geht anhält und dann ganz schnell ein- und ausatmet. Hat der Treppenheizer auch gemacht. Nur ist er dabei ohnmächtig geworden und die ganze Schultreppe runtergerasselt,  direkt vor die Füße des Rektors. Danach hatte er dann eine dicke Platzwunde am Kopf und den Namen Treppenheizer. Und weil wir halt nicht gesagt haben, dass der Treppenheizer mit dem brennenden Klassenbuch seine Fehlstunden kaschieren wollte, musste die ganze Klasse zur Strafe eine Woche lang den Pausenhof fegen. Wir haben uns da abgewechselt, einen Tag die Jungs und einen Tag die Mädchen. Bis wir eine Vertretungsstunde bei einer Lehrerin hatten, die so ein waschechte 80er-Jahre-Hardcore-Emanze war. Die hat dann auch sofort rumgetönt, warum denn nur die Mädchen den Pausenhof kehren würden und was denn mit den Herren der Schöpfung sei. Da ist mein Gerechtigkeitssinn, der ungerechtfertigte Anschuldigungen gar nicht leiden kann, mit mir durchgegangen und ich habe gesagt, die Mädchen könnten auch viel besser putzen und kehren als wir Jungs. Eijeijei, auf einmal war es ganz still in der Klasse. Auch die Emanzen-Lehrerin war erst ganz still, aber man konnte schon sehen wie ihr Kopf langsam rot anlief. War ein netter Kontrast zu ihrem lila Halstuch. Das habe ich ihr dann aber besser nicht gesagt. Und als die Lehrerin fertig war mit dem Rotanlaufen, hat sie sich aufgeplustert wie ein dicker Luftballon. Wie ein Luftballon, den man hinten nicht zugebunden hat, ist sie dann auch knapp über dem Boden durch die Klasse gerauscht. Sogar die Geräusche, die sie dabei gemacht hat, hörten sich so ähnlich an. Irgendwann als fast die ganze Luft raus war, konnte man dann die Worte. „raus“ und „sofort zum Direktor“ verstehen. Zum Glück sind dann aber die Mädchen zurückgekommen und haben ihr alles erklärt und auch, dass ich eigentlich gar nicht so sei. So war das damals, als in der 10b das Klassenbuch gebrannt hat.</p>
<p>Foto via: <a href="http://comicallyvintage.tumblr.com/post/9231179409/designer-fashion-clothes-shopping-internet-comics-books">Comically Vintage</a></p>
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		<title>Im Nachthemd nach Breslau</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jul 2011 19:52:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>amaot</dc:creator>
				<category><![CDATA[Familienbande]]></category>

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		<description><![CDATA[Tante Tilda hatte einen ebenso exzentrischen Lebens- wie Schlafwandel. Einmal fuhr sie im Nachthemd bis Breslau und weigerte sich dort aufzuwachen. Mehrere hochrangige Staatsbeamte nahmen sich ihrer an und versuchten sie aufzuwecken. Sie drohten und schrien, säuselten und schmeichelten. Doch &#8230; <a href="http://amaot.wordpress.com/2011/07/28/im-nachthemd-nach-breslau/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=amaot.wordpress.com&amp;blog=8180600&amp;post=105&amp;subd=amaot&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Tante Tilda hatte einen ebenso exzentrischen Lebens- wie Schlafwandel. Einmal fuhr sie im Nachthemd bis Breslau und weigerte sich dort aufzuwachen. Mehrere hochrangige Staatsbeamte nahmen sich ihrer an und versuchten sie aufzuwecken. Sie drohten und schrien, säuselten und schmeichelten. Doch Tante Tilda drehte sich einfach auf die andere Seite. Schließlich schickten sie Tante Tilda aus purer Verzweiflung per Luftfracht wieder zurück. Mein Vater nahm sie an der Tür in Empfang, quittierte den Frachtschein und legte sie behutsam zurück in ihr Bett. Am nächsten Morgen verließ Tante Tilda das Haus ohne Frühstück. Ihr wäre nach einem Champagner im Café Breslau, sagte sie.</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://amaot.wordpress.com/category/familienbande/'>Familienbande</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/amaot.wordpress.com/105/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/amaot.wordpress.com/105/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/amaot.wordpress.com/105/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/amaot.wordpress.com/105/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/amaot.wordpress.com/105/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/amaot.wordpress.com/105/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/amaot.wordpress.com/105/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/amaot.wordpress.com/105/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/amaot.wordpress.com/105/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/amaot.wordpress.com/105/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/amaot.wordpress.com/105/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/amaot.wordpress.com/105/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/amaot.wordpress.com/105/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/amaot.wordpress.com/105/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=amaot.wordpress.com&amp;blog=8180600&amp;post=105&amp;subd=amaot&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Geschichten, die nicht erzählt werden wollen</title>
		<link>http://amaot.wordpress.com/2011/05/17/geschichten-die-nicht-erzahlt-werden-wollen/</link>
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		<pubDate>Tue, 17 May 2011 15:33:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>amaot</dc:creator>
				<category><![CDATA[Unsinn]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist ja nicht so, als wenn ich nichts zu erzählen hätte. Es ist so, dass es sich nicht erzählen lassen will. Die Geschichte macht Männchen und irrlichtert übers Papier, lässt sich einfach nicht fassen. Streckt mir die Zunge raus &#8230; <a href="http://amaot.wordpress.com/2011/05/17/geschichten-die-nicht-erzahlt-werden-wollen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=amaot.wordpress.com&amp;blog=8180600&amp;post=100&amp;subd=amaot&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ja nicht so, als wenn ich nichts zu erzählen hätte. Es ist so, dass es sich nicht erzählen lassen will. Die Geschichte macht Männchen und irrlichtert übers Papier, lässt sich einfach nicht fassen. Streckt mir die Zunge raus und widersetzt sich jeglicher Struktur. Die Mitte steht am Anfang, das Ende in der Mitte und der Anfang am Ende. Zwischendrin  marodieren herrenlose Wörter. Da, da läuft „Hinterschinken“. Mein Gott, wie es schreit und quieckt, kann es denn niemand einfangen. Und was ist das schon wieder? Kaum ist der Hinterschinken fort, schleicht ein völlig verdrehtes Makrameehörnchen gefolgt von einer Eiseule aus der Ecke. Augenscheinlich hat es eine missglückte Wortfusion in einer hinteren Hirnwindung gegeben. Nachdem ich sie behutsam ins Wortsanatorium geschoben habe, muss ich noch das Gürteltier und das Mondkalb vertreiben &#8211; Katastrophentouristen, die sich das Durcheinander aus der Nähe ansehen wollen. Und kaum sind die weg, taucht ein lyrischer Mützenzwerg auf, dem es beliebt zu dichten:</p>
<p>Das Mieder</p>
<p>war ihm zuwider</p>
<p>Deshalb trug er das Mieder</p>
<p>nie wieder -</p>
<p>der Biber.</p>
<p>Der lyrische Mützenzwerg schaut beifallsheischend in die Runde und ich schubs ihn schnell weg, bevor er seine Kollegen aus den wilden Wortbergwerken rufen kann. Es entsteht nur ein kurze Verschnaufpause, denn der Fluxus-Wissenschaftsclown hat ungeduldig darauf gewartet, in die Stille zu trompeten. Man befinde sich in einer Konsistenztangente, deren Maß an Entropie nur an die aufkommende Ikonoklastik der Pyrrhussieger der 30jährigen liturgischen Kriege erinnere. Man müsse die heraldischen Herolde an der exponentiellen Explosion hindern und in die Entität zurü….. Ich haue ihm kurzerhand aufs Maul. Plötzliche Stille stellt sich ein. Ich beginne, in der Gedankenlosigkeit zu treiben. Glückliches Gleiten in schwebender Schwingung…. schwindender Schwere…..schwelender Schwellung….schwabbelnder Schwanung….schwurbelnder Schwungung…….schwoliger Schwörge….schwappender Schwippe…. Oh, verflucht ein Ohrwurmloch. Mein kleiner grüner Kaktus sticht sticht sticht, hallt es durch die Leere. Entnervt binde ich den Ansatz der Geschichte an einen Konten im Taschentuch und lege mich in die Sonne.</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Gegenwart warte</title>
		<link>http://amaot.wordpress.com/2011/05/03/gegenwart-warte/</link>
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		<pubDate>Mon, 02 May 2011 22:17:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>amaot</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltägliche Ansichtskarten]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Gegenwart ist ein merkwürdiges Ding. Kaum ist sie da, ist auch schon wieder weg. Wenn man über die Gegenwart redet, ist sie schon in der Vergangenheit. Eigentlich verpasst man die eigene Gegenwart permanent. So wie man einen Bus verpasst. &#8230; <a href="http://amaot.wordpress.com/2011/05/03/gegenwart-warte/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=amaot.wordpress.com&amp;blog=8180600&amp;post=94&amp;subd=amaot&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Gegenwart ist ein merkwürdiges Ding. Kaum ist sie da, ist auch schon wieder weg. Wenn man über die Gegenwart redet, ist sie schon in der Vergangenheit. Eigentlich verpasst man die eigene Gegenwart permanent. So wie man einen Bus verpasst. Immer ist man einen Moment zu spät. Von der der Gegenwart sieht man immer nur die Rücklichter. Da kann man sich noch so beeilen, die Gegenwart fährt schon längst die Straße runter. Im besten Fall gehen gerade die Türen zu, wenn man an der Haltestelle ankommt. Wobei, eigentlich hat die Gegenwart ja keine Haltestelle. Getrieben von einem manisch grinsenden Busfahrer, fährt die Gegenwart unaufhaltsam einfach durch. Da kann man sich sogar auf die Straße werfen. Die Gegenwart fährt einfach über einen drüber und man merkt es noch nicht mal. Scheinbar dauert die Gegenwart genau einen Moment. Man weiß allerdings nicht genau, wie lange dieser Moment dauert. Der Moment ist zumindest lange genug, um unachtsam zu sein. Wenn man einen Moment unachtsam ist, dann hat man sich schon geschnitten. Sobald man dann darüber nachdenkt, ist die Gegenwart, in der man sich geschnitten hat schon Vergangenheit. Was bedeutet, über die Gegenwart kann man nicht nachdenken, sonst ist sie weg. Anders ist es, wenn man unachtsam war und sich eine Beule holt. Dann ist die Beule durchaus gegenwärtig &#8211; nicht nur in der Vergangenheit. Was wiederum bedeutet, die Folgen der Gegenwart können durchaus gegenwärtig sein; und das nicht nur einen Moment, sondern so lange bis die Beule sich erst violett, dann grün färbt und schließlich in einem blasser werdenden Gelb langsam verschwindet.  Hochinteressant wird es, wenn jemand die Gegenwart für sich beansprucht, dann vollzieht die Gegenwart eine seltsame Metamorphose. Sie dehnt sich sowohl in Zeit als auch in Raum aus. Zur Beanspruchung der Gegenwart gehört unbedingt ein vorwurfsvoller Blick. „In meiner Gegenwart wird nicht geflucht“, sagt es dann. Und schon steht so eine Gegenwart mitten im Raum und verschwindet erst, wenn der andere verschwindet. Im Prinzip könnte man einfach behaupten: „Pfff, bleib ich halt in meiner Gegenwart, blödes Arschloch. Deine Gegenwart ist eh nur eine Zangengeburt deines kranken Hirns. Und in meiner Gegenwart darf ich fluchen, so lange wie ich will“. Damit würden sich zwei Gegenwarte gegenüberstehen, obwohl es keine Mehrzahl von Gegenwart gibt. Die Gegenwart in der Mehrzahl steht sich immer unversöhnlich gegenüber. Man wundert sich, dass die Gegenwart noch keine Kriege ausgelöst hat. Eine Enttäuschung ist in dieser Hinsicht auch das Buch „Kriege der Gegenwart“. In dem Buch geht es ausschließlich um Kriege der Vergangenheit, die nicht wegen der Gegenwart geführt wurden.</p>
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		<title>Müdigkeit</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Mar 2011 08:58:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>amaot</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltägliche Ansichtskarten]]></category>

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		<description><![CDATA[…ich hatte es mir fest vorgenommen: Das nächste Mal, wenn die Müdigkeit kommt, dann lachst du sie aus, sagst ihr, sie solle mal raussehen, bei so einem Wetter ist man nicht müde. Als die Müdigkeit dann kam, nahm sie mich &#8230; <a href="http://amaot.wordpress.com/2011/03/21/mudigkeit/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=amaot.wordpress.com&amp;blog=8180600&amp;post=88&amp;subd=amaot&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>…ich hatte es mir fest vorgenommen: Das nächste Mal, wenn die Müdigkeit kommt, dann lachst du sie aus, sagst ihr, sie solle mal raussehen, bei so einem Wetter ist man nicht müde. Als die Müdigkeit dann kam, nahm sie mich in den Arm und hat mitgelacht. Ich glaube, sie hat immer noch laut gelacht, als ich schon fest schlief…</p>
<br />Einsortiert unter:<a href='http://amaot.wordpress.com/category/alltagliche-ansichtskarten/'>Alltägliche Ansichtskarten</a>  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/amaot.wordpress.com/88/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/amaot.wordpress.com/88/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/amaot.wordpress.com/88/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/amaot.wordpress.com/88/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/amaot.wordpress.com/88/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/amaot.wordpress.com/88/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/amaot.wordpress.com/88/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/amaot.wordpress.com/88/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/amaot.wordpress.com/88/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/amaot.wordpress.com/88/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/amaot.wordpress.com/88/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/amaot.wordpress.com/88/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/amaot.wordpress.com/88/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/amaot.wordpress.com/88/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=amaot.wordpress.com&amp;blog=8180600&amp;post=88&amp;subd=amaot&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Erinnerung an den Brandanschlag in Solingen</title>
		<link>http://amaot.wordpress.com/2011/03/04/erinnerung-an-den-brandanschlag-in-solingen/</link>
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		<pubDate>Thu, 03 Mar 2011 22:23:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>amaot</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltägliche Ansichtskarten]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich hätte es sehen müssen. Noch in der Nacht hätte ich sehen müssen, dass das Haus brannte. Ich wohnte keine 200 Meter Luftlinie auf der anderen Seite der renaturierten Mülldeponie. Das Fenster am Schreibtisch ging in die Richtung. Bis in &#8230; <a href="http://amaot.wordpress.com/2011/03/04/erinnerung-an-den-brandanschlag-in-solingen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=amaot.wordpress.com&amp;blog=8180600&amp;post=79&amp;subd=amaot&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hätte es sehen müssen. Noch in der Nacht hätte ich sehen müssen, dass das Haus brannte. Ich wohnte keine 200 Meter Luftlinie auf der anderen Seite der renaturierten Mülldeponie. Das Fenster am Schreibtisch ging in die Richtung. Bis in die frühen Morgenstunden hatte ich vor dem Rechner gesessen. Davon erfahren habe ich aber erst am nächsten Mittag. Ein Freund kam vorbei. Ich lag noch im Bett.</p>
<p>Am Haus, oder dem, was davon übrig war, eine Menschenmenge. Schaurige Ruine.</p>
<p><span style="text-decoration:underline;">Splitter1</span>: Ein Autonomer agitiert auf dem Dach eines Kleintransporters lautstark mit dem Megaphone. Völlig unpassend. Er übertönte alles mit billiger Propaganda. Unangemessen, ist ein unangemessener Euphemismus.</p>
<p><span style="text-decoration:underline;">Splitter2</span>: Eine alte Türkin legt unter Tränen Blumen am Haus ab. Ein Pressefotograf bittet sie, dies zu wiederholen. Er wollte das Bild. Die Umstehenden wollten ihn schlagen.</p>
<p>Später dann im Mumms, eine Kneipe. Bier, Wut, Trauer und endlose Diskussionen. Wut über die Ohnmacht ob des Geschehenen, Trauer um die Menschen die gestorben sind. Trauer aber auch um die Heimatstadt, die über Nacht die Unschuld der unbeschwerten Kindheit verloren hatte. Darf man das sagen? Man darf, denn so empfanden wir es, obgleich wir es nicht sagten.</p>
<p>Was hätten wir wissen können? Wir diskutierten viel darüber. In Solingen gab es ein paar Altnazis, natürlich, von denen wusste man. Aber eine Neo-Naziszene? Eine Neo-Naziszene gab es hier nicht, die gab es in Wuppertal. Einige gingen zum Glatzen klatschen dahin. Ich nicht. Ich verabscheue Gewalt – und Nazis.  Betroffenheit. Man diskutierte drüber, ob man betroffen sei und ob man betroffen sein kann. Eine Diskussion um die Richtigkeit eines Wortes. Was darf man sagen? Am besten nichts: Die Worte fehlen noch heute.</p>
<p>Wieder später. Zurück auf der Straße. Noch mal zum Haus. Irgendwohin Nachrichten sehen. Auf dem Schlagbaum, einer großen Kreuzung, standen die ersten türkischen Jugendlichen. Wir haben uns noch nichts dabei gedacht. Als ich dann nachts auf dem Weg nach Hause wieder vorbei ging, war die Stimmung aggressiv. Autoreifen brannten, die Kreuzung war blockiert. Ich fand es O.K. Es war ihr Protest. Sie hatten alles Recht der Welt dazu. In der Nacht wurden dann die ersten Fensterscheiben eingeworfen. Später wussten wir, der Protest war organisiert. Die meisten der türkischen Jugendlichen kamen von Außerhalb. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Graue_W%C3%B6lfe" target="_blank">Graue Wölfe</a>, türkische Faschisten. Sie fuhren mit Autos durch die Stadt, hielten an, ein Pfiff, sie stürmten aus den Autos, zerschlugen Scheiben, der nächste Pfiff und sie verschwanden wieder in den Autos. Bald gab es kein ganzes Schaufenster mehr in der Innenstadt.  Blinde Augen in vernagelten Fronten. Eine Endzeitstadt aus einem schäbigen Science Fiction. Zahllose Hundertschaften der Polizei mit Helmen, Schilden und plastik-verstärkten Kampfanzügen zogen durch die Straßen. Sie übten Deeskalation und machten ihre Sache gut.</p>
<p>Ansonsten: Demonstrationen, Diskussionen, Mahnwachen. Irgendwie rückte man auch zusammen in diesen Tagen, in dieser Stadt. Deutsche und Türken sprachen miteinander. Auf den Straßen immer wieder Gruppen von türkischen Jugendlichen, friedlich skandierend oder einfach nur beieinander hockend. Martialisch erst wenn Fernsehkameras in der Nähe waren. Journalisten und Kameramänner stachelten sie an. Sie wollten diese martialischen Bilder von Aufruhr. Ebenso wie sie die Geschichte wollten, dass es nur in dieser Stadt hätte passieren können. Unfug. Es ist in dieser Stadt passiert, aber letztlich hätte es überall passieren können. Es kann noch immer überall passieren.</p>
<p>Jahre später erklärte mir ein Kameramann, dass es die Zeit des Nachrichtenkrieges war. RTL starte gerade eigene Nachrichtensendungen und n-tv gab es erst seit Kurzem. Nachrichten, ein Geschäft für den, mit den dramatischsten Bildern. Bei n-tv  ein brennendes Auto in der Dauerschleife &#8211; mal mit der Perspektive stadteinwärts, mal mit der Perspektive stadtauswärts. Nach diesen Bildern waren es gefühlte 100 Autos, die brannten. Tatsächlich waren es nicht mehr als drei oder vier.</p>
<p><span style="text-decoration:underline;">Splitter:</span> Ein weißer Kleinwagen rast über den Graf-Willhelm-Platz. Aus dem Fenster grölt es Naziparolen. Wir haben es alle gesehen und gehört, standen fassungslos da. In den Nachrichten dann ein Bericht von einem Auto, das in eine Menschenmenge gerast ist. Bilder von einem weißen Kleinwagen. Sie sprachen von einem geistig verwirrten Fahrer. Nun gut, so kann man es auch nennen. Ich bin relativ sicher, den Wagen wiedererkannt zu haben – aber Erinnerungen können täuschen und Kleinwagen gibt es viele.</p>
<p>Die folgenden Tage und Nächte ein einziger Ausnahmezustand. Die ganze Stadt ein einziger Ausnahmezustand. Wenig Schlaf. Nachtwachen an „gefährdeten Häusern“. Tagsüber Demonstrationen. Wofür oder wogegen eigentlich? Am meisten wohl gegen die eigene Ohnmacht. Man musste ja was tun.</p>
<p>Sonntags dann die große Abschlusskundgebung. Menschen aus ganz Deutschland kamen. Es wurde der Supergau. Mit einigen Freunden war ich als Ordner dabei. Ein Sternmarsch war geplant. Aus jeder Ecke der Stadt ein Demonstrationszug bis zum großen Platz vor der Klingenhalle. Wir hatten einen ruhigen Teil des Marsches von Solingen-Wald in die Innenstadt erwischt. Familien mit Kindern. Den ganzen Tag gab es schon Gerüchte von Sonderzügen mit Nazis, die am Ohligser Bahnhof ankommen sollten. Was für ein Quatsch. Solche Gerüchte sind ein typisches Merkmal von Ausnahmenzuständen. Nach Solingen war ich noch zwei Mal in solchen Ausnahmezuständen. Einmal Ende 1999 als Helfer nach den großen Erdbeben in der Türkei und einmal nach der großen Flut in Mosambik Anfang 2000. Immer gab es diese Gerüchte, dass es in den nächsten Tagen noch schlimmer kommen würde: Deutliche Anzeichen für ein gewaltiges Erdbeben in Istanbul. Noch mehr Regen, noch mehr Wasser in Mosambik.</p>
<p>In Solingen waren es halt noch mehr Nazis. Aber die brauchte es gar nicht. Wir kamen als zweiter Demonstrationszug an dem großen Platz an, auf dem die Abschlusskundgebung stattfinden sollte. Vor der Bühne hatte sich schon ein Zug mit Türken versammelt. Die Mehrzahl waren graue Wölfe. Man konnte es gut sehen. Immer wieder stachelten Einpeitscher die Fahnenschwenker in der Gruppe an. Sie sollten ihre Fahnen schwenken, um die Bühne zu verdecken. Plötzlich Unruhe. Der nächste Zug kam. Kurden, in der Mehrzahl PKK-Anhänger. Wir Ordner rannten los. „Kette bilden“, wurde zum geflügelten Wort, das wir noch heute benutzen. Wir hakten uns unter und stellten uns zwischen die Gruppen. Eine menschliche Kette als Absperrung – besser, der jämmerliche Versuch einer Absperrung. Kaum hatten sich die Kurden hinter den Türken postiert, feindete man sich gegenseitig an. Gefühlt dauerte es keine zwei Minuten. Die beiden Massen drückten uns wie Spielzeuge auseinander und schlugen sich. Dachlatten, an denen Plakate gehangen hatten, knallten ebenso auf Köpfe wie Fahnenstangen. Wir Ordner standen in versprengten untergehakten Häuflein dazwischen. Nutzlos. Irgendwann zogen wir uns hinter die Bühne zurück und betrachteten das Geschehen kopfschüttelnd. Etwas abseits begannen sich zwei kleinere Gruppen zu prügeln. Soweit ich mich erinnere, eine türkische Sektion der MLPD und eine andere linke türkische Gruppierung. Auch die türkischen Ordner konnten sich das nicht erklären. Der Platz, gut zwei Fußballfelder groß, glich einem Tollhaus. In der Zwischenzeit hatte die Polizei einen Kessel um die Autonomen gebildet. Warum? Keine Ahnung. Die Autonomen hatten bis dahin friedlich auf der Erde gesessen. Es war ja kein wirklicher Gegner für sie da &#8211; bis die Sondereinheiten kamen.</p>
<p>Und wir? Das war nicht mehr unsere Veranstaltung. Zusammen mit ein paar türkischen Ordnern sind wir in eine Kneipe gegangen und haben uns fürchterlich betrunken.</p>
<p><em>Der Text spiegelt ungefiltert meine ganz persönlichen Erinnerungen wider. Ich habe bewusst darauf verzichtet, zeitliche Abläufe oder Details an anderer Stelle zu recherchieren. Aus diesem Grund bin ich auch auf die Hintergründe der Täter, der Opfer und der Familie Genc nicht weiter eingegangen. Der Familie Genc möchte ich an dieser Stelle meinen tiefen Respekt ausdrücken. Trotz der Opfer hat sie sich immer für ein friedliches Miteinander eingesetzt.</em></p>
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