Violetta

Violetta hatte eine kleine Finka in den Bergen oberhalb Managuas. Es war am Ende der Regenzeit. Das Wasser der meist kurzen aber heftigen Regenfälle hatte der Natur Kraft gegeben und die sanften Hügel rundherum in ein sattes Grün getaucht. In ein paar Wochen würde die Sonne wieder so stark sein, dass nur noch braune Halme auf den Feldern und Wiesen stehen blieben. Wir saßen auf der Terasse und sahen zu, wie der hereindämmernde Abend die Lichter der Stadt nach und nach anknipste. Wenn ich Violetta traf, dann war ich früher oder später stoned. Violetta kiffte. Immer. In den Tagen der Revolution war sie in Gefangenschaft geraten. Von Folter war die Rede. Genaues wusste ich nicht. Wollte ich auch nicht wissen. Manchmal muss man keine Details kennen, um das Grauen zu ermessen. Ich konnte es in ihren Augen lesen – auch wenn sie lachten. „Wenn ich rauche, dann kann ich vergessen. Mein Arzt sagt, es ist O.K.“, Violetta nahm einen tiefen Zug, reichte mir den Joint und lehnte sich zurück. Ihr Haar, so schwarz und dicht wie ihr rauchiges Lachen, fiel über die Seiten der Hängematte und verlor sich im Halbdunkel des Kerzenscheins. In dieser Nacht war kein Platz für das Grauen. In dieser Nacht teilten wir Rum und Geschichten mit dem Vollmond. Aus dem Lautsprecher des alten Kassettenrecorders erklang die glasklare Stimme von Mercedes Sosa: „Gracias a la vida, que me ha dado tanto…“ (Danke an das Leben, das mir so viel gegeben… Text /Übersetzung)

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