Übellaunig am Morgen – Welt hau ab!

Der Morgen ist eine Sau. Aufstehen 8BitSound aus Internal Speakern in Dauerbeschallung. Eine sinnlose Verschwendung von Lebensenergie. Schon das Wetter beim ersten Blick aus dem Fenster. Meist ist es so dunkel, dass man das Wetter noch nicht mal sieht. Was für ein Dreck. Wer steht schon um so eine Uhrzeit auf? Wenn es dunkel ist, dann ist mitten in der Nacht. Dass man überhaupt einen Wecker braucht, zeigt doch, dass es wider die Natur ist, um solche Uhrzeiten aufzustehen. Und dann wird noch verlangt, dass man denkt. Ich denke morgens nicht. Philosophisch betrachtet, bin ich morgens nicht. Da geschieht alles aus dem Rückenmark heraus. Es regieren die niederen Körperfunktionen: Essen, Schlucken, Bewegung im Raum ohne anzustoßen – mehr ist morgens nicht drin. Muss ja auch nicht.

Apropos Wetter. Wetter ist ja immer. Vor allem ist das Wetter morgens immer falsch. Wohlmöglich regnet es und es ist kalt. Das sagt ja schon alles. Man kann dann davon ausgehen, dass das Wach den Tag verschlafen wird. Aus so einem Tag kann nichts werden. Wie auch, wenn das Wetter ist, wie man sich fühlt. Sonne hilft auch nichts. Sonne ist hell. Man wundert sich ja, wie sie es schafft, so tief in die Höhlen vorzudringen, in denen die Augen liegen. Wahrscheinlich wird sie von den tieferliegenden Tränensäcken reflektiert. Sonne hebt die Laune nicht, sondern brennt sie allerhöchstens noch tiefer ins Gemüt.

Das Schlimme ist, dass man irgendwann in dieses Draußen muss. Das bedeutet Bewegung. Bewegung ist Dreckscheiß. Wie alles, was nicht Liegen ist. Schon Sitzen ist ein äußerst fragwürdiger Zustand, der nur durch große Anstrengungen aufrechterhalten werden kann. Sitzen ist quasi schon Bewegung. Manchmal hilft eine Tischplatte, auf die man den Kopf legen kann, um das Sitzen zu lindern – aber nicht viel. Dass Sitzen anstrengend ist, sieht man schon daran, dass es umso angenehmer wird, je mehr man sich dem Liegen annähert. Campingstühle mit zurückklappbarer Lehne sind zum Beispiel nicht zu verachten, während lehnenlose Hocker die Vorhölle der Bewegung sind.

Aber egal wie, in diesem Draußen sind Menschen und Menschen sind das größte Übel, das einem am Morgen passieren kann. Wie das Wetter sind sie da – ob man will oder nicht. Morgens in eine Gruppe zu kommen, das ist Nightmare on Elmstreet am frühen Morgen. Da werde ich zum alten grauen Wolf, der als Einzelgänger am Rande des Rudels alles wegbeißt, das ihm zu nahe kommt. Menschen haben morgens grundsätzlich die falsche Meinung und machen alles falsch. Da gibt es keine Beschönigung und keine Ausnahmen. Es ist äußerst bedauerlich, dass körperliche Züchtigung verboten ist. Ansonsten würde ich mir eigens für morgens eine Reitpeitsche zulegen und mit ihr über jedes Maul fahren, das ungefragt seine Meinung kund tut.

So bleibt nur die Möglichkeit der verbalen Blutgrätsche. Die kann gar nicht brutal genug sein. Kurz und heftig ist die Devise, mit dem Ziel, dem anderen die Worte so in den Hals zu rammen, dass seine eigenen stecken bleiben. Manchmal hat man Glück und trifft einen Gleichgesinnten. Ein äußerst befreiender Moment extremer Lautstärke, bei dem es nur Gewinner gibt. Man hat es dem anderen auf jeden Fall gezeigt. Mein Gott, wie herrlich hat man ihn bis zum Pfötchenkrampf gereizt. Dann ist der Tag vorerst gerettet. Vielleicht kann man sogar ein wenig über die Scherze der Kollegen lachen. Aber nur ein wenig, damit sie nicht zu übermütig werden. Übellaunigkeit ist ein Prädikat, das man sich verdienen muss. Da wir einem nichts geschenkt. Schon das kleinste bisschen Freundlichkeit und sie reißen dir den ganzen Arm aus.

Ein kleiner Blick nur, der nicht bohrende Verachtung zeigt, und schwubs fangen sie an zu erzählen. Was sie am Vorabend so gemacht haben, was ihre Kinder so gemacht haben und anderes unnützes Zeugs, das keinen Menschen interessiert. Da hilft nur eine kurze drastische Entgegnung. Irgendwas nach dem Motto, Kinder kann man nur ertragen, wenn man ihnen die Beine und die Stimmbänder entfernt und selbst dann könnten sie ja noch kacken. Es gilt grundsätzlich die extremste Gegenposition einzunehmen, sich kurz an der Fassungslosigkeit des Gegenübers zu laben. Dann sollte man schleunigst gehen, denn der Fassungslosigkeit folgt meist der Drang das Ganze auszudiskutieren. Und wer will schon morgens diskutieren. Wohlmöglich fragen sie noch: „Und was macht das mit Dir?“. „Mit mir nix, aber gleich mit Dir“. Wenn man schon in dieses Draußen muss, dann ist der beste Ort immer noch das Scheißhaus. Das Scheißhaus ist das letzte Refugium der Ruhe in dieser Welt.

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