Der Pistolero und das Bein der Schwiegermutter

Ich hatte ihn lange nicht gesehen. Es war eine zufällige Begegnung auf der Straße. Sein kantiges Gesicht, immer noch umrahmt von einem Schnauzbart runter bis zum Kinn, die  Sonnenbrille verspiegelt – muss ja. Oben ein Lederblouson, unten eine weiße Jeans so eng, dass das Gemächt vorne Schatten wirft. Zumindest was die Klamotten angeht, hatte er sich in den letzten 20 Jahren nicht verändert.  Kaum einer weiß noch, dass sein richtiger Name Hubert ist. Überall heißt er „der Pistolero“. Den Namen hat er sich redlich verdient. Damals machte er eine Ausbildung beim Bundesgrenzschutz. Wie alle träumte er davon, im Anschluss an die Grundausbildung zur GSG9 zu wechseln. Der Traum hatte Hochkonjunktur seit der Befreiung der Landshut. Sein Traum starb am Bein seiner Schwiegermutter. Keiner wusste etwas Genaues. Nur von dem Schuss, der sich aus der Dienstwaffe gelöst und den Oberschenkel der Schwiegermutter durchschlagen hatte, wussten irgendwann alle. Seit dem heißt er der Pistolero. Wir haben uns gestern kurz zugenickt und dann ist jeder seines Weges gegangen.

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