Archiv der Kategorie: Familienbande

Meine wahnwitzigen Abenteuer als Sturmpirat

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Bild by @Kpt_Ahab

Bevor ich beschloss, mich mit einem Schaukelstuhl auf die Terrasse zu setzen und langsam vor- und zurückzuschaukeln, zog es mich hinaus in die Welt. Ich wurde das Gefühl nicht los, in meiner Heimatstadt Solingen alles gesehen zu haben und war begierig darauf, Abenteuer zu erleben. So gelangte ich über viele Umwege nach Marseille, der bis in die Haarspitzen verruchten Urmutter aller dreckigen Hafenstädte. Doch schon am Ende des zweiten Tages wurde ich aufgrund unglücklicher Umständen, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, Mitglied der gefürchteten Sturmpiraten.

In den nächsten zwei Jahren segelte ich mit dem Smauvogel, einem stolzen Dreimaster, und den Sturmpiraten entlang der Schönwetterfront. Wir enterten träge dahindümpelnde Sonnensegler und raubten ihre gelben Mützchen. Die Sonnensegler waren leichte Beute für den schnellen Smauvogel, der durch die Wellen schnitt wie ein Solinger Messer durch einen Kanten Brot. Der Rest war Formsache. Die Sonnensegler fürchten zwar weder Tod noch Teufel, dafür aber den Orgelhannes unseren Anführer. Meine wahnwitzigen Abenteuer als Sturmpirat weiterlesen

Onkel Heinz und die Perspektiven

Onkel Heinz saß auf der Dachrinne und machte „Tschilp“. Das war nur logisch. Onkel Heinz hielt sich gerade für einen Vogel. Dabei ging es ihm noch nicht einmal um das Vogelsein. Auch wenn er sein altes Vogelkostüm übergezogen hatte. Es ging ihm um die Vogelperspektive. Sein ganzes Leben hatte er damit zugebracht, nach Perspektiven zu suchen. Das schwarze Vogelkostüm mit rotem Kamm und Schnabel saß mittlerweile ein wenig spack. Das hing mit seiner letzten Perspektive zusammen. Zuletzt hatte er die Welt als Tropfen betrachtet. Onkel Heinz und die Perspektiven weiterlesen

Oma und Hans Albers

Hans Albers, das war der Goerge Clooney von meiner Oma. Wenn der blonde Hans sang, dann seufzte sie sogar noch auf ihre alten Tagen: „Hach, der Hans mit seinen blauen Augen“. Und wenn er dann noch bei Hans-Joachim Kuhlenkampf in der Sendung auftrat, dann war alles zu spät. Ihre beiden Idole auf einmal, da zerfloss die alte Dame butterweich in die Ritzen ihres Ohrensessels…..

Onkel Kurt – Die große Tragik des Brummtadara

Onkel Kurt steht immer sehr früh auf. Um 5.30 Uhr geht der Wecker, da gibt es keine Ausnahmen. Nie. Ohne zu Zögern springt er dann aus dem Bett und marschiert in Filzpantoffeln gemessenen Schrittes ins Bad. Waschen mit kaltem Wasser. Danach kämmte er sich die Gedanken und bindet ihnen fein säuberlich eine Krawatte um. Damit sie nicht spazieren gehen.  Wenn Gedanken spazieren gehen, finden sie Wege, die er nicht kennt und stoßen wohlmöglich auf Lösungen, die er nicht mag. Deshalb, so findet er, brauchen Gedanken eine Krawatte und müssen ordentlich gekämmt sein. Sonst kann man sie nicht in die Weltgeschichte lassen. Onkel Kurt wählt CDU, selbstredend, und ist im Männergesangsverein, selbstsingend.

Er mag seinen Vorgarten. Sein Vorgarten ist wie seine Gedanken. Immer ordentlich gekämmt mit akkuratem Scheitel – die Seiten kurz. In seinem Vorgarten fühlt er sich wohl. „Da wo es ordentlich ist, kann nichts Unvorhergesehenes passieren und schon mal gar keine Frau“, sagt er immer. Frauen mag Kurt nicht. Das war früher anders. Onkel Kurt – Die große Tragik des Brummtadara weiterlesen

Tante Trudis Damenbart

via http://suicideblonde.tumblr.com/post/11524209508Tante Trudi hatte einen Damenbart. Ich meine, einen richtigen Damenbart, nicht diesen weichen Flaum, der im seitlichen Gegenlicht ein wenig kokett leuchtet. Nein, nein, sie hatte einen  Damenbart, der diese Bezeichnung auch wirklich verdiente. Einmal wohnten sogar drei obdachlose Chinesen in ihrem Damenbart. Abends kamen sie heraus und spielten auf einem Kontrabass die Capri Fischer und Tante Trudi sang dazu. Sie mochte dieses Lied. Tante Trudi ging gerne Fischen. Wir flochten ihr dazu Köder in die weichen vorderen Barthaare. Mein Bruder ist dabei einmal fast verloren gegangen. Er war auf einem Barthaar zu weit hinaus gelaufen und hatte den Rückweg nicht mehr gefunden. Glücklicherweise fanden wir ihn abends vor Einbruch der Dunkelheit. Wer weiß, was sonst noch passiert wäre. In der Nacht traute sich niemand in Tante Trudis Damenbart. Selbst Onkel Egon nicht, der stark war wie ein Ochse und die Traktoren immer aus dem Acker ziehen musste, wenn sie sich mal wieder festgefahren hatten. Selbst der traute sich dann nicht in den Bart, denn in der Nacht drangen seltsame Stimmen aus dem Damenbart. Tante Trudis Damenbart weiterlesen