Margot will tanzen

Quelle: TheCosbinator

Tatsächlich suchen wir doch immer die Lücken in dieser Welt, um sie mit unserer Vorstellungskraft auszufüllen. Selbst in die feinsten Haarrisse gießen wir die Idee hinein, wie wir das, was wir nicht wissen, gerne hätten. So sitzt jeder von uns in seinem eigenen bisschen Welt – diesem bunten Patchwork aus dem was ist, wenn denn was ist, und dem, was er sich vorstellt. Eigentlich ist es so wie mit Frau Schmidt, der Frau von Gegenüber.

„Guten Morgen Frau Schmidt“

Guten Morgen Herr Amaot“

„Wollen sie mich heiraten?“

„Heute nicht, heute ist es mir ein bisschen lästig“

„Dann wünsche ich Ihnen noch einen schönen Tag, Frau Schmidt“

„Ich ihnen auch, Herr Amaot. Und fragen sie doch beizeiten noch einmal nach, vielleicht passt es da besser“

Mehr sprachen wir selten bei unseren Treffen im Hausflur. Dabei hatte Frau Schmidt ein sehr aufgeräumtes Gesicht und war von einer recht ordentlichen Schönheit. Ich ging immer davon aus, dass sie ihre Topfpflanzen pünktlich gießen würde.

Doch dann traf ich sie eines Nachts in einer Eckkneipe. Margot will tanzen weiterlesen

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Im Schleudergang brennt noch Licht

Bild via Space Ghost Zombie

Ich trage mich mit dem Gedanken, ein Buch zu schreiben. Machen ja gerade irgendwie alle, die ein bisschen schreiben können und sonst nicht wissen, was sie tun sollen. So ein Buch muss natürlich gut vorbereitet werden. Deshalb habe ich vorher mal recherchiert. Beste Chancen haben im Moment vor allem Frauenbücher. Männer lesen ja nicht, nur Frauen. Wenn Männer lesen, dann Krimis oder Biographien von großen Persönlichkeiten, die sie selber nicht sind, aber gerne wären. Frauen lesen eher Liebesgeschichten. Die werden auch viel besser verkauft. Deshalb schreibe ich auch eine Liebesgeschichte. Ein Melodram. So eins, das Männer dann heimlich lesen und ein bisschen weinen können. Den Titel habe ich auch schon: „Im Schleudergang brennt noch Licht“

Eine handelsübliche Unterhose führt, so wie Millionen andere Unterhosen auch, ein recht langweiliges Leben. Sie wird angezogen, verschwindet unter einer Hose im Dunklen, wird gewaschen und landet dann im Schrank, bis sie wieder angezogen wird. Eines Tages lernt die Unterhose im Schrank eine wunderschöne Damenstrumpfhose kennen und verliebt sich sofort in ihre langen schlanken Beine. Im Schleudergang brennt noch Licht weiterlesen

Haben Sie sich heute schon empört?

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Quelle: Catherine Faulkner

„Entschuldigung, wer sind sie?“

„Wer ich bin tut nichts zur Sache. Entscheidend ist, was ich bin!“

„Nun gut, dann also was sind sie?“

„Sieht man das nicht? Ich bin empört!“

„Ihr Gesicht ist gerötet und sie haben ein Zittern in der Stimme. Das kann auch ein Schnupfen oder eine leichte Verliebtheit sein.“

„Ich bin nicht verschnupft und verliebt war man in den 80er. Das wäre zu einfach. Ich bin regelrecht empört!“

„Aber was empört sie denn so regelrecht?“

„Das ist egal. Ich bin empört! Man ist heute einfach empört. Wer sich nicht empört, der ist nicht!“

Eine Empörung geht um. Es stampft auf quer durch die Gesellschaft. Man empört sich heutzutage. Empören gehört zum guten Ton. Haben Sie heute schon Ihr Empörerchen gemacht? Allerorten wird sich empört. Dabei meine ich noch nicht einmal die großen gesamtgesellschaftlichen Empörungswellen über zu hohe Benzinpreise, geheime Geheimdienste oder steuerlügende, drohnendebakelnde Finanzmiserenpolitiker. Nein, nein, ich meine die kleine Alltagsempörung. Die an unseren Mitmenschen geplatzte Beule der Erwartungshaltung. Das dahingekotzte Meckerstakkato, welches nahezu zwangsläufig in dem Satz „Das geht ja gaaaar nicht!“ gipfelt. Mit einem aaaa langezogen wie der ausgeleierte Gummibund einer alten Herrenunterhose. Ein Echolot der Empörung. Je länger das a, desto tiefer die Empörung.

Erst gerade eben stand unsere Nachbarin vor der Tür. Schon am Klingeln konnte man ihre Empörung hören. Ein trockenes, sehr empörtes Klingeln. Drei Mal kurz und hart. Die Nachbarin, ansonsten mit der buttergelben, leicht fettigen Gesichtsfarbe einer gut gebratenen Bratkartoffel gesegnet, war sichtlich erregt. Haben Sie sich heute schon empört? weiterlesen

Meliha

Sie war eine echte Balkanschönheiten, jede ihrer Rundung weiche wummernde Weiblichkeit. Ein tieftönender Bass der Natur mit einem überbordenden dunklen Lockenkopf. Ich habe mich sofort in Meliha verliebt. Erst Recht, weil ihre kohlrabenschwarzen Augen so gar nicht zum tiefgründing verträumten Klischee geschaffen waren. Ihre Augen sprachen mehr als ihr Mund, erzählten Geschichten aus ihrem Inneren, hüpften fröhlich wie junge Hunde hin und her und konnten lauthals lachen, ohne das Meliha eine Mine verzog. Einzig ihr Mund war zu groß, so dass ich beim Küssen ein ums andere Mal hineinfiel und mir meinen Weg mühsam durch eine Zahnlücke zurückkämpfen musste…

Auf dem Rücken der Pferde

Hier ritt gerade eine sehr kleine, stämmige Frau mit dunklen struppigen Haaren und sehr dünnen Beinen auf einem sehr großen schlanken Pferd mit langer blonder Mähne und kräftigen Schenkeln im Kreis. Was nicht weiter erwähnenswert wäre, wenn nicht gleich daneben eine sehr große schlanke Frau mit langen blonden Haaren und kräftigen Schenkeln auf einem sehr kleinen, stämmigen Pferd mit dunklen struppigen Haaren und dünnen Beinen geritten wäre. Was will uns dieser Text nun sagen? Nichts. Er beobachtet nur. Den Damen ging es übrigens allem Augenschein nach gut.